Charakter & Stil
Mosel- und Saar-Weine sind im Glas meist schlank bis saftig, mit hoher, klarer Säure, sehr wenig Gerbstoff und oft erstaunlich wenig Alkohol; gerade beim Riesling sind 7,5 bis 10,5 Volumenprozent hier nichts Ungewöhnliches. Typisch ist Frucht in Richtung grüner Apfel, Zitrone, Limette, weißer Pfirsich und manchmal etwas Aprikose, dazu fast immer eine steinige, schiefrige Note und oft auch kühle Kräuter. Der Körper bleibt eher leicht bis mittler, selbst wenn Süße im Spiel ist, deshalb wirken Spätlesen und Auslesen nicht schwer, sondern eher gespannt und fließend. Im Unterschied zu wärmeren deutschen Regionen oder vielen trockenen Rieslingen aus dem Elsass sind Mosel und Saar meist leichter, säurebetonter und weniger breit; statt gelber, reifer Frucht und mehr Alkohol steht hier oft Zitrus, Stein und Zug im Vordergrund. Ein gutes Beispiel aus dem Sortiment ist Maximin Grünhaus Abtsberg Riesling: schon die 10,0 % Alkohol zeigen ziemlich gut, wie viel Frische und Länge diese Gegend aus wenig Gewicht holen kann.
Lagen & Sub-Regionen
Die Mosel ist keine eigene Sub-Appellation mit DOC-Logik, sondern ein deutsches Anbaugebiet mit Bereichen und sehr wichtiger Lagenstruktur; klassisch spricht man von Mosel, Saar und Ruwer, der alte Gebietsname lautete bis 2007 Mosel-Saar-Ruwer. Die Saar steht dabei für den kühleren, strafferen Teilstil mit oft besonders feiner Säure und schlankerem Profil, die Ruwer ähnlich kühl und präzise, während die eigentliche Mosel je nach Abschnitt breiter gefächert ist. Entscheidend sind hier weniger formale Unterappellationen als konkrete Einzellagen und ihre Böden, meist Schiefer in verschiedenen Ausprägungen, die den Weinen Zug, Rauchigkeit und eine oft sehr klare Kontur geben. Im Sortiment sieht man das gut an Saar-Lagen wie Grünhäuser Abtsberg sowie an Mosel-Lagen wie Uhlen und Röttgen bei Winningen; solche Einzellagen sagen in der Praxis oft mehr über Stil und Herkunft als ein bloßer Bereichsname. Riesling ist klar die Leittraube der Region, und zwischen den kühleren Seitentälern und den oft steilen, wärmespeichernden Schieferhängen der Mosel entstehen sehr unterschiedliche Weine: von ziseliert und leichtfüßig bis würziger, dichter und kraftvoller.
Passt zu
An Mosel und Saar liegt Riesling auf dem Tisch oft näher am Essen, als man denkt: trockenes GG zu gegrilltem Wolfsbarsch, gern mit Zitronenbutter oder Petersilienkartoffeln, weil die straffe Säure durch das Fett geht und die steinige, oft salzige Art den Fisch nicht zudeckt. Feinherbe oder Spätlese-Weine funktionieren stark zu Saumagen mit Sauerkraut; etwas Restsüße puffert die Würze, die Säure hält das Schweinefleisch und die Kartoffeln in Bewegung. Wenn es regionaler werden soll, ist auch Döppekooche aus der Eifel-Mosel-Ecke ein guter Griff, gerade zu einem lebhaften Riesling, der die Röstaromen und das Schmalz auffängt. Zu kräftiger geschmortem wie Ossobuco geht eher ein dichterer, trockener Mosel-Riesling als ein leichter Kabinett, weil genug Extrakt da sein muss, um mit Mark, Gelatine und Schmorjus mitzuhalten. Sehr süße Auslese kann schließlich mit Blauschimmelkäse oder einer Tarte mit Aprikosen gut laufen, weil Süße Salz und pikante Schärfe ausbalanciert.


