Mourvèdre ist keine laute Rebsorte, aber sie hat Zug.
Herkunft
Südfrankreich
Farbe
Rot
Alkohol
13,5–14,5%
Lagerpotenzial
lang
Kapitel I
Geschmack & Charakter
Mourvèdre bringt meist dunkle, herbe Aromen ins Glas: schwarze Beeren, Pflaume, oft dazu etwas Leder, Garrigue, Wacholder oder ein leicht fleischiger, rauchiger Ton. Die Säure ist in der Regel eher mittel und trägt mehr, als dass sie schneidet; der Körper wirkt voll bis kräftig, oft mit spürbarer Dichte am Gaumen. Typisch sind markante, trockene Tannine, die nicht körnig-zart, sondern eher fest und griffig auftreten und dem Wein Zug geben. Beim Alkohol landet Mourvèdre gerade im Süden Frankreichs oft im oberen Bereich, meist um 14 Volumenprozent oder etwas darüber, was Wärme und Breite mitbringt. Der Nachhall ist häufig lang und würzig, mit dunkler Frucht, Kräutern und einem leicht erdigen Bitterton.
Kapitel II
Anbau & Region
Mourvèdre fühlt sich im warmen Mittelmeerklima zuhause, deshalb sieht man die Sorte bei euren Weinen vor allem im Süden der Rhône und im Languedoc-Roussillon: in Châteauneuf-du-Pape AOC, Gigondas AOP, Vacqueyras AOP, Rasteau AOP, Faugères AOP und Côtes du Roussillon. In Châteauneuf-du-Pape sorgen die berühmten galets roulés, dazu Sand, Lehm und Kalk, für viel Wärmespeicher und späte, gründliche Reife; das gibt Mourvèdre dunkle Frucht, Garrigue-Würze, viel Substanz und oft auch eine feste, warme Tanninstruktur. In Gigondas, am Fuß der Dentelles de Montmirail, und in Vacqueyras bringen Kalk, Mergel und steinige Terrassen mehr Zug und Frische in die Sorte, der Wein wirkt pfeffriger, straffer und weniger breit. In Faugères ist der Boden fast das Stichwort selbst: Schiefer speichert Wärme, entwässert schnell und zwingt die Reben tief nach unten, daraus kommen oft würzige, rauchige Mourvèdre-Anteile mit dichter Frucht und trockenem, griffigem Finish. Im Roussillon, wo Sonne, Wind und karge Schiefer- und Gneisböden den Ton angeben, wird Mourvèdre besonders herb, salzig und konzentriert, mit schwarzer Olive, Kräutern und oft einer staubig-mineralischen Kante statt bloßer Fülle.
Kapitel III
Passt zu
Mourvèdre mag Gerichte mit Röstaromen und etwas Zug am Gaumen: Lammkoteletts vom Grill, Ossobuco oder eine geschmorte Lammschulter funktionieren sehr gut, weil Eiweiß und Saft das oft griffige Tannin abfedern und die dunkle, würzige Frucht nicht untergehen lassen. Auch Entenbrust mit Kräutern oder eine Merguez mit Linsen passt, vor allem wenn Kräuter, Pfeffer und leichte Rauchigkeit im Essen die herzhafte Seite der Rebsorte aufnehmen. Aus dem südfranzösischen Eck der genannten Weine liegt Ratatouille mit gebratenem Halloumi oder gefüllte Paprika mit Lamm und Oliven nahe: Die reife Frucht puffert Tomatensäure, während die Würze von Oliven und Kräutern den oft mediterranen Ton von Mourvèdre spiegelt. Weniger gut ist gegrillte Forelle – dafür ist Mourvèdre meist zu kräftig und tanninbetont; das lässt feinen Fisch schnell trocken und metallisch wirken.
Mourvèdre bringt meist dunkle Frucht ins Glas: Brombeere, Schwarzkirsche, manchmal Pflaume. Dazu kommen oft würzige, erdige und leicht herbe Noten, manchmal auch etwas Pfeffer oder Leder. Die Weine wirken eher kräftig als laut.
02
Bei welcher Temperatur trinkt man Mourvèdre?
+
Am besten leicht gekühlt bei etwa 16 bis 18 °C. Zu warm wirkt er schnell schwer, zu kalt zieht er sich zu sehr zusammen. Ein paar Minuten im Glas tun ihm oft gut.
03
Was passt zu Mourvèdre?
+
Gut sind kräftige Gerichte: Lamm, Rind, Wild, Schmorgerichte oder gegrilltes Gemüse mit Röstaromen. Auch würzige Küche mit Kräutern, Knoblauch und etwas Paprika funktioniert gut. Zu zarten, sehr leichten Speisen ist er meist zu präsent.
04
Wie lange ist Mourvèdre lagerfähig?
+
Viele Mourvèdre-Weine gewinnen mit ein paar Jahren Flaschenreife an Ruhe und Tiefe. Je nach Ausbau und Herkunft sind 5 bis 10 Jahre möglich, kräftige Weine aus guten Jahrgängen auch länger. Einfache, fruchtbetonte Varianten sollte man eher früher trinken.
05
Was ist der Unterschied zu Grenache oder Syrah?
+
Im Vergleich zu Grenache ist Mourvèdre meist dunkler, straffer und weniger süß wirkend. Gegenüber Syrah ist er oft rustikaler, erdiger und im Tannin etwas kantiger. Er bringt eher Rückgrat als reine Frucht.