Sangiovese ist keine Sorte für dicke Marmelade, sondern für Zug, Würze und Kontur.
Auf einen Blick
Herkunft
Toskana, Italien
Farbe
Rot
Alkohol
13–14,5 %
Säure-Niveau
mittel-hoch
Kapitel I
Geschmack & Charakter
Sangiovese zeigt im Glas meist eine straffe, klare Säure, die den Wein trägt und ihm Zug gibt. Dazu kommen spürbare, eher trockene Tannine, oft feinkörnig bis leicht kernig, bei meist mittlerem Körper und Alkohol eher im mittleren Bereich statt wuchtig. Aromatisch steht klar die rote Frucht vorne: Sauerkirsche, Herzkirsche, rote Johannisbeere, dazu oft etwas getrocknete Kräuter, ein Hauch Veilchen und je nach Ausbau auch erdige oder leicht tabakige Töne. Die Textur wirkt dabei eher gespannt und saftig als weich, mit einem Nachhall, der häufig auf Kirsche, Kräuter und eine herbe, leicht mandelige Spur hinausläuft. Gerade in toskanischer Prägung lebt Sangiovese weniger von Fülle als von Biss, Frische und dieser trockenen, griffigen Art am Gaumen.
Kapitel II
Anbau & Region
Sangiovese hat sein Zentrum klar in der Toskana, besonders in Chianti Classico DOCG zwischen Florenz und Siena, in Brunello di Montalcino DOCG und Vino Nobile di Montepulciano DOCG. Im Chianti Classico wachsen viele Reben auf Galestro und Alberese, also brüchigem Schiefermergel und hellem Kalkstein: Das bremst die Wuchskraft, hält Wasser nicht zu üppig fest und gibt oft Weine mit straffer Säure, herber Kirschfrucht, Kräutern und spürbarem Tannin. Rund um Montalcino sorgen wärmere, gut belüftete Hänge und sehr unterschiedliche Böden von Kalkmergel bis zu steinigem Lehm für reifere, dunklere Frucht und mehr Körper, ohne dass die Rebsorte ihre nervige Frische verliert. In Montepulciano, auf Lehm-, Sand- und Kalkböden, wirkt Sangiovese meist etwas runder und erdiger, mit weniger Biss als im kühleren Chianti. Die Weine aus unserem Sortiment zeigen genau diese toskanische Seite, etwa als Chianti Classico DOCG von Cantalici: rote Kirsche, getrocknete Kräuter, Säurezug und dieses leicht staubige Tannin, das eher vom Boden als vom Holz erzählt.
Kapitel III
Passt zu
Sangiovese mag Gerichte mit Schmoransatz und Tomate: Ossobuco mit Gremolata oder Pappardelle al ragù funktionieren sehr gut, weil die frische Säure des Weins durch das Kollagen und Fett schneidet und die herzhaften Röstaromen aufnimmt. Auch eine Bistecca alla fiorentina oder ein einfaches Tagliata vom Rind passt, denn das Tannin bindet sich an Eiweiß und wirkt neben dem Fleisch runder, saftiger und weniger kantig. Sehr stimmig ist außerdem Lasagne al forno oder Auberginen-Parmigiana, weil Tomatensäure, Kräuter und geschmolzener Käse die kirschige Frucht und die herbe Würze von Sangiovese gut spiegeln. Weniger ideal ist gegrillte Forelle: Das feine Fischfleisch wird von Tannin und Säure schnell überfahren, dazu kann die Kombination metallisch wirken. Wenn Fisch, dann eher ein tomatiger Fischeintopf wie Cacciucco, bei dem die Sauce eine Brücke zum Wein baut.
Sangiovese schmeckt meist nach roten Kirschen, etwas Pflaume und oft nach Kräutern oder getrockneten Blättern. Je nach Herkunft kommen mehr Säure und ein leicht herber, trockener Eindruck dazu, manchmal auch etwas Erde oder Leder.
02
Bei welcher Temperatur sollte man Sangiovese servieren?
+
Am besten bei 16 bis 18 °C. Jüngere, frischere Sangiovese kann auch etwas kühler gut funktionieren, damit die Säure nicht zu dominant wirkt.
03
Was passt zu Sangiovese?
+
Gut sind Gerichte mit Tomatensauce, Pasta, Pizza, geschmortem Fleisch und gegrilltem Gemüse. Auch Pecorino oder andere eher würzige, nicht zu milde Käsesorten passen gut dazu.
04
Wie lange ist Sangiovese lagerfähig?
+
Einfache Sangiovese trinken viele am besten jung, also innerhalb von ein paar Jahren nach der Ernte. Gut gemachte Chianti Classico oder Riserva können deutlich länger halten, oft 5 bis 10 Jahre oder mehr, je nach Jahrgang und Ausbau.
05
Was ist der Unterschied zwischen Sangiovese aus Chianti Classico und einfacherem Sangiovese?
+
Chianti Classico kommt aus einem klar abgegrenzten Gebiet in der Toskana und ist meist strenger geregelt. Er wirkt oft strukturierter, mit mehr Säure, mehr Tannin und mehr Tiefe als einfacher Sangiovese, der meist direkter und fruchtiger ausfällt.