Spanien:esp.
Weine aus Spanien:esp: Terroir, Stil & Empfehlungen
Spanien liegt auf der Iberischen Halbinsel zwischen Atlantik und Mittelmeer, mit sehr unterschiedlichen Landschaften von kühlen Küsten bis zu hoch gelegenen Hochebenen im Landesinneren.
Charakter & Stil
Im Glas zeigt Spanien hier vor allem rote bis dunkle Frucht: Kirsche, Pflaume, teils eingekochte Beeren, dazu oft trockene Kräuter, etwas Erde und bei Ausbau auch Tabak oder Leder. Die Säure wirkt meist mittel, nicht schneidend, das Tannin je nach Rebsorte von rund und weich bis spürbar trocken, der Körper eher mittel bis kräftig und der Alkohol oft deutlich, wie man schon an 14 bis 17 Volumenprozent sieht. Garnacha bringt dabei meist mehr Wärme, reifere Frucht und weichere Gerbstoffe, während Tempranillo fester wirkt, mit mehr Griff und oft etwas herberer Würze. Gegenüber kühleren Rotweingebieten wirkt das weniger säurebetont und seltener auf Frische gebaut, stattdessen mehr auf Reife, Sonne und würzige Tiefe. Ein Rioja Crianza wie der Becquer zeigt das gut: rote Frucht, Gewürz, etwas Holzton und ein trockener, eher kerniger Abschluss.
Lagen & Sub-Regionen
In Spanien ist die innere Gliederung extrem kleinteilig, deshalb führt man am besten über die wichtigen DOPs und DOCa-Herkünfte statt über ein einziges Landesraster. Besonders prägend sind Rioja DOCa mit ihren Teilzonen Rioja Alta, Rioja Alavesa und Rioja Oriental sowie Priorat DOCa, Ribera del Duero DO, Rías Baixas DO, Jerez-Xérès-Sherry DO und Cava DO, die stilistisch sehr weit auseinanderliegen. Rioja Alta und Alavesa sind kühler und oft kalkiger, was Tempranillo straffer, frischer und feiner wirken lässt; Rioja Oriental ist wärmer und trockener, darum spielt dort Garnacha traditionell eine größere Rolle und die Weine fallen oft reifer und voller aus. Ribera del Duero bringt auf hohem Plateau mit starken Tag-Nacht-Schwankungen dunkle, feste Tempranillo-Weine hervor, während Rías Baixas im feuchten Atlantikklima auf Granit und Sand salzige, zitrische Albariños liefert. Dazu kommen sehr eigene Inseln des Stils: Priorat mit Schieferböden, steilen Lagen und konzentrierter Garnacha- und Cariñena-Frucht, Jerez mit biologischer Reifung unter Flor oder oxidativem Ausbau, und Cava, das sich vor allem zwischen dem mediterranen Penedès und kühleren Höhenlagen deutlich unterschiedlich zeigt.
Passt zu
Zu spanischen Rotweinen wie Tempranillo oder Garnacha stehen oft sehr handfeste Gerichte auf dem Tisch: Lammkoteletts vom Grill, Chorizo a la sidra oder ein langsam geschmortes Ossobuco funktionieren sehr gut. Der Rioja-Crianza-Stil mit reifer Frucht, Würze und spürbarem Gerbstoff nimmt Eiweiß und Röstaromen sauber auf, deshalb wirkt gegrilltes Fleisch oft runder und saftiger neben dem Wein. Garnacha mit mehr Wärme und Alkohol verträgt auch kräftige, salzige Küche wie Saumagen oder geschmorte Paprika mit Hackfleisch, weil Fruchtfülle und Würze gegen Salz und Fett ankommen. In Nordspanien isst man zu solchen Weinen oft Lamm, Wurst und Schmorgerichte, nicht aus Etikette, sondern weil Säure, Tannin und herzhafte Küche sich gegenseitig stützen. Wenn es rustikaler sein darf, ist auch eine Tortilla mit Chorizo erstaunlich gut, weil die weiche Textur dem Tannin etwas entgegensetzt und die Würze den Wein nicht blass wirken lässt.

