Charakter & Stil
Deutschland im Glas ist schwer auf einen einzigen Stil festzunageln, gerade weil von kühlem Norden bis zu wärmeren Flusstälern sehr viel möglich ist. Typisch für viele deutsche Weine ist aber eine klare, oft straffe Säure, dazu eher leichter bis mittlerer Körper und beim Alkohol meist zurückhaltendere Werte als in vielen südlicheren Regionen Europas. Aromatisch steht oft die Frucht im Vordergrund, je nach Farbe eher Zitrus, grüner und gelber Apfel, Steinobst und Kräuter bei Weißwein oder rote Kirsche, Johannisbeere und etwas Erde bei Rotwein; Tannin bleibt dabei meist feiner und weniger trocken als etwa in vielen Weinen aus dem Süden Frankreichs oder aus Spanien. Im Vergleich zu ähnlich kühlen Regionen wie dem Elsass wirken deutsche Weine oft schlanker, saftiger und säurebetonter, mit mehr Zug als Schmelz. Aus den vorliegenden Sortimentdaten lässt sich für Deutschland hier allerdings kein typischer Wein-Stil aus einem Ankerwein belegen, weil fast nur Brände und Whisky gelistet sind, keine stillen Weine.
Lagen & Sub-Regionen
Deutschland ist kein einheitlicher Weinblock, sondern in 13 Anbaugebiete gegliedert: Ahr, Mittelrhein, Mosel, Nahe, Rheingau, Rheinhessen, Pfalz, Hessische Bergstraße, Franken, Württemberg, Baden, Saale-Unstrut und Sachsen; dazu kommt als landesweite Herkunftsangabe Deutscher Wein unterhalb der g.U.-Ebene. Innerhalb dieser Gebiete prägen Bereich, Großlage und Einzellage den Unterschied oft stärker als eine formale Sub-Appellation: an der Mosel etwa Saar und Ruwer mit kühlerer, straffer Säure und oft schiefergeprägtem Stil, in Baden das lange Band von Tauberfranken bis Markgräflerland mit mehr Wärme und entsprechend reiferen, oft körperreicheren Weinen, und in Franken die Kontraste zwischen Muschelkalk, Keuper und Buntsandstein. Rheinhessen und Pfalz sind groß und heterogen, von Kalk, Löss und Ton bis Buntsandstein; das erklärt, warum Riesling, Silvaner, Burgundersorten oder auch Spätburgunder dort je nach Ecke sehr unterschiedlich ausfallen. Im Rheingau ist die Struktur kleiner, aber die Exposition entlang des Mains und Rheins sowie Quarzit, Schiefer und Lösslehm machen stilistisch viel aus; an der Ahr wiederum stehen enge Seitentäler, Schiefer und ein vergleichsweise mildes Mikroklima hinter dem Ruf für Spätburgunder. Wenn man Deutschland verstehen will, schaut man deshalb weniger auf starre Unter-Appellationen als auf Anbaugebiet plus konkrete Lage: Namen wie Bernkasteler Doctor, Scharzhofberger, Forster Kirchenstück, Rüdesheimer Berg Schlossberg, Würzburger Stein oder Ihringer Winklerberg sagen oft mehr als das Etikett „Deutschland“ allein.
Passt zu
Das ist hier kein Wein, sondern Obstbrand und Whisky aus dem Schwarzwald, deshalb denkt man beim Essen besser nicht in klassischen Weinregeln, sondern in Aromabrücken und Temperatur. Ein Wilder Vogelbeerbrand oder Wilder Bergkirsch passt gut nach einem kräftigen Essen wie badischem Schäufele mit Kartoffelsalat oder zu Saumagen: die klare Frucht und der trockene Zug schneiden durch Fett und Salz, statt noch mehr Schwere draufzulegen. Der Wild-Himbeerbrand oder die Wild-Johannisbeere funktioniert spannend zu einer Entenbrust mit Rotkohl, weil die beerige Frucht das süß-herbe Gemüse aufnimmt und der Alkohol genug Kraft für das dunkle Fleisch mitbringt. Die Whiskys aus der Emill-Reihe würde man eher zu geräuchertem Schinken, Rehragout oder einem Stück gut gereiftem Bergkäse stellen; Holz, Malz und Fasswürze greifen Röstaromen auf, während die Textur mit Eiweiß und Salz ruhiger wirkt. Und die Gelbe Bergpflaume oder der Edel Williams sind stark zu einem einfachen Dessert wie Zwetschgenkuchen oder einer Käseauswahl, weil die Frucht den Ton vorgibt, ohne das Essen mit Süße zuzudecken.


