Geschmack & Charakter
Mencía wirkt im Glas oft saftig und rotfruchtig, mit Kirsche, Himbeere und manchmal etwas Granatapfel im Vordergrund; dazu kommen nicht selten florale Töne und eine herbe, steinige Würze. Die Säure ist meist klar und frisch, oft spürbar höher als bei vielen warm gereiften roten Sorten, was den Wein zugig und lebendig hält. Tannin ist in der Regel vorhanden, aber eher fein bis mittelfest, selten schwer oder austrocknend. Der Körper liegt häufig im mittleren Bereich, mit Alkohol meist moderat bis leicht erhöht, je nach Herkunft und Ausbau. Im Nachhall bleibt oft rote Frucht, etwas Kräuterwürze und ein mineralischer, leicht bitterer Griff, der dem Wein Kontur gibt.
Anbau & Region
Mencía zeigt ihr klarstes Gesicht im Nordwesten Spaniens, vor allem in Bierzo DO und in Valdeorras DO in Kastilien und León sowie in Ribeira Sacra DO, Monterrei DO und Valdeorras auf der galicischen Seite. In Bierzo wachsen viele Reben auf Schiefer, Quarzit, Ton und sandigen Parzellen zwischen etwa 450 und 800 Metern; daraus kommen oft rote Kirsche, Kräuter, etwas Veilchen und ein kerniger, aber nicht schwerer Tanninzug, weil die Höhenlage Frische hält und die kargen Böden keine breiten, alkoholischen Weine fördern. Ribeira Sacra mit ihren steilen Terrassen aus Schiefer und Granit bringt meist die feinere, kühlere Variante: saftige rote Beeren, mehr Salz und Stein im Eindruck, oft schlanker und mit spürbarerer Spannung. In Valdeorras und Monterrei, wo es etwas wärmer und trockener sein kann und neben Granit auch Lehm- und Schieferböden eine Rolle spielen, wirkt Mencía oft dunkler in der Frucht und etwas runder, ohne ihre typische Frische ganz zu verlieren. Außerhalb Spaniens taucht die Sorte auch in Dão DOC in Portugal als Jaen auf; auf den granitgeprägten, höher gelegenen Lagen entstehen dort meist würzige, mittelgewichtige Rotweine mit weicherem Tanninbild.
Passt zu
Mencía wirkt oft am besten zu Gerichten, die Saft, Kräuter und etwas Röstaroma mitbringen: gegrillte Forelle mit Linsen und Speck funktioniert gut, weil die frische Säure den leicht öligen Fisch und den Speck auflockert, während die feinen Gerbstoffe an den Linsen Halt finden. Auch Ossobuco passt, wenn der Wein eher kühl und nicht zu schwer ausgebaut ist: Das Eiweiß und die Gelatine aus der geschmorten Kalbshaxe binden Tannin, die Säure schneidet durch das Mark und die Tomate im Schmorsud spiegelt oft die rote Frucht des Weins. Sehr stimmig ist außerdem Perlhuhn mit Pilzen und Thymian, weil Mencía häufig etwas Erdiges und Florales hat, das die Pilze und Kräuter aufnimmt, ohne das zarte Fleisch zu erschlagen. Zu Chorizo in Cidre oder Paprika-Linsen ist Mencía ebenfalls stark, denn die Frische hält die Würze in Bewegung und die herbe, saftige Frucht fängt Rauch und Paprika sauber auf.